Spezialisierung vs. Vielseitigkeit

Ich werde oft gefragt, was denn nun "schlauer" wäre, sich früh auf eine Disziplin festzulegen, das Training darauf zuzuspitzen und sich somit sehr stark zu spezialisieren - oder lieber zumindest einige Jahre breiter ausgelegt an sich zu arbeiten, herauszufinden, wo man nun seine Stärken und Schwächen hat und vor allem, was einem selbst am Meisten Spaß macht?

Ich selbst habe mir diese Frage natürlich mehr als einmal gestellt und sie ist nicht ganz trivial zu beantworten. Wenn es jetzt rein um die körperliche Veranlagung geht, wäre es natürlich das Beste, jene Disziplin, in der man die höchste überhaupt erreichbare Leistung hat, möglichst schnell herauszufinden und dann "drumherum" seine Schwächen auszumerzen, aber vor allem an dieser einen Stärke besonders arbeitet - um sein persönliches Limit auch wirklich zu erreichen und keine Reserven ungenutzt zu lassen.
Das ist halt der theoretische Ansatz, der die mentale Komponente nicht so sehr miteinbezieht. Was ist, wenn einfach eine andere Disziplin "fasziniert"? Oder man dabei bessere Trainingsbedingungen und Trainingspartner zur Verfügung hat? Im Endeffekt muss jeder für sich selbst (bzw. in Absprache mit einem objektiven Trainer) seinen individuell "richtigen" Weg finden. Richtig ist, was Freude bereitet - finde ich!

Ich kann meinen Weg beschreiben. Mit einem größeren Sprint-/Mittelstreckentalent ausgestattet wollte ich unbedingt auf die Langdistanz (Marathon, später Triathlon) - schon in sehr jungen Jahren. Das war Vorteil und Nachteil zugleich. Ungünstig war natürlich, dass ich mein eigentliches Talent nicht genutzt, sondern sogar "wegtrainiert" habe. Dass ich mich mehr als andere auf den langen Distanzen gequält hab - das geht bis heute so, trotz vieler Trainingsjahre. Zutiefst positiv für mich war, dass es mir nie leicht gefallen ist und ich es trotzdem geschafft habe. Dass ich zu einer Zeit, als ich mit dem Studium fertiggeworden bin, schon fast alle "fixen" Langdistanzträume erlebt hab. Ich fühle mich jetzt irgendwie "frei" für das, was ich wirklich viel besser kann und profitiere natürlich von den Ausdauertrainings, der damit aufgebauten Grundlage und natürlich auch mental davon. Ich hab sportlich immer gemacht, was mir Spaß gemacht hat, nicht unbedingt das, was ich am Besten kann.
Und ich würds wieder so machen :)

Inzwischen gestalte ich mir meine Saisonen so vielseitig wie nicht bald eine Sportlerin. 2013 hab ich vom 400m-Sprintbewerb bis zum 14h-Langdistanz-Bergtriathlon alles "abgedeckt". Solange es eine Leistungsentwicklung gibt (trotz, oder wegen der Vielseitigkeit?) befinde ich das für ok für mich.

Allerdings war auch - wie zu erwarten - die Leistungssteigerung von 2013 auf 2014 (Umstieg von Lang- auf Sprint- und Kurzdistanz) deutlich größer als im Jahr danach, in dem es keine Umstellung mehr gab. Deshalb werde ich, um mich weiter zu verbessern, zwar immer noch vielseitige Bewerbe bestreiten, aber das Training noch mehr auf meine wichtigen Bewerbe zuschneiden. Das ist wohl nach und nach nötig, um die letzten Leistungsreserven auch noch zu mobilisieren. Wir werden sehen, wie weit ich es noch schaffe :)

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