Duathlon Kurzdistanz Deutschlandsberg ÖSTM

Die Staatsmeisterschaften im Duathlon 2012 in Deutschlandsberg gehören sicher zu den schönsten, emotionalsten und auch erfolgreichsten Rennen für mich in meiner sportlichen Laufbahn. So viele Jahre betreibe ich nun Sport, hatte schöne Erfolge, aber ein Stockerlplatz bei einer Staatsmeisterschaft fehlte einfach noch. Darüber konnten auch keine Hawaii-Qualifikation und gute Laufbestzeiten hinwegtrösten.

In der zweiten Saisonhälfte dieses Jahres habe ich schon gemerkt, dass die Laufform sehr, sehr gut ist. Beim POWERMAN konnte ich ganz vorne bei den Profis mitlaufen, bei den Halbmarathonstaatsmeisterschaften knapp an der Spitze dranbleiben und dieses Mal sollte es vielleicht einmal eine Platzierung inmitten der Profis und Halbprofis werden :)
Bei den Staatsmeisterschaften über die Kurzdistanz gibt es auch immer eine Windschattenfreigabe (Damen dürfen mit Damen mitfahren, Herren mit Herren) und so war klar, dass es ein sehr taktisches Rennen werden würde. Meine Radform war durch die extrem wenigen Kilometer nicht besonders gut, aber durch mein geringes Gewicht könnte ich vielleicht wenigstens bergauf mithalten.
Im Vorfeld war anhand der Startliste klar, dass ich dieses Rennen nicht gewinnen könnte - Renate Reingruber, österreichische Duathlon-Cup-Anführerin hatte mir bei jedem Rennen dieses Jahr schon beim Laufen Zeit abgenommen. Ich spekulierte deshalb auf Silber, so gut wie diesmal standen die Medaillenchancen für mich bei einer ÖSTM einfach noch nie.
Die Strecke kannte ich schon, Lauf leicht verwinkelt, aber eher unspektakulär und die Radstrecke sehr selektiv, keine langen Anstiege, aber kurze, winkelige Runden mit nur 5,5km und einem dauernden Auf und Ab. Für mich als Läuferin auf den ersten Blick nicht gerade super, aber mit meinem Rennrad und der Dreifach-Kurbel, einer relativ passablen Kurventechnik und noch viel mehr Mut ... sollte diese Strecke für mich ohne gröbere Probleme zu absolvieren sein - besser als 2009 jedenfalls.
Am Wettkampftag jedoch konnte ich meine Medaillenträume gleich einmal einpacken, da noch zwei Mädls dabei waren, welche ich auf der Startliste nicht entdeckt habe - Simone Helfenschneider-Ofner und Romana Slavinec. Beide würden besser sein, das wusste ich, bei Romana setzte ich aber darauf, dass sie nicht so stark läuft wie ich. Bei Simone wusste ich, dass es schwer werden würde, ihr auch beim Laufen noch etwas abzunehmen. Und Renate war für mich bis dahin eben unschlagbar.

Nach dem um 20min verspäteten Damenstart (die Männer starteten wiederum 40min nach uns) wurde ein wahnsinnig hohes Tempo angeschlagen. Die fünf schnellsten Läuferinnen waren in einer Gruppe und mich überraschte nicht nur das extrem hohe Tempo, sondern auch die Härte, mit welcher um Positionen gekämpft wurde. Ich kenne es vom Laufsport eher so, dass man ein bissl auf "die anderen aufpasst" und nicht, dass man in jede Absperrung und Gehsteigkante hineingedrängt und geschubst wird. Aber es war schon voll ok so, ich stellte mich darauf ein und lief auch etwas "fokussierter" :)
Überraschenderweise ging nicht nur Simone bald vor, auch Romana war nicht weit hinter ihr und zog unsere Gruppe, aus der inzwischen ein Mädl abgerissen ist. Die vier schnellsten Damen waren nun zusammen, wobei ich mich schon sehr wunderte, dass niemand Tempo rausnahm. Schließlich riss auch Renate ab, was mich noch viel mehr wunderte - wobei ich später realisierte, dass es einfach am Tempo lag. Meine Beine waren unerwartet gut an diesem Tag, der Halbmarathon vor zwei Wochen hatte mir wohl noch einen kleinen "Energieschub" gegeben.
Nun wusste ich, dass ich mir eine gänzlich neue Renntaktik überlegen musste. Beim Radln konnte ich, wenns gut geht, meine Position halten, das war aber überhaupt nicht gesichert. Nachdem ich wusste, dass Romana viel schneller als ich wechseln würde (ich hatte meine Radschuhe nicht am Rad, beim zweiten Wechsel musste ich sogar die Schuhe schnüren ... ja, ich schäme mich eh ... nächstes Mal trainiere ich das wieder so wie früher :) ), musste ich mich beim Laufen noch deutlich absetzen, um gleichzeitig mit ihr aus der Wechselzone zu kommen. Das klappte wunderbar, ich konnte sogar noch ein bisserl herumtrödeln am Rad, während sie sich die Schuhe anzog.

Irgendwie war es klar, dass ich weder angreifen, noch vorne fahren könnte, Romana ist einfach fünf Klassen stärker als ich am Rad. Also versuchte sie, mich abzuschütteln und fuhr recht unrhythmisch mit vielen harten Antritten. Dies gelang ihr zwar nicht, aber in einer Kurve kam ich fast zu Sturz, als mein Hinterrad wegrutschte, das Rad fast schon lag, und das Hinterrad mit einem Krach wieder den Boden berührte. Ich dachte mir, es sind jetzt alle Speichen gerissen. War Gott sei Dank nicht der Fall, doch Romana war weg. So musste ich fast 6 der 7 Radrunden völlig alleine ohne Windschatten fahren (wie auch die zwei schnellsten Damen, erst hinter mir wurden wieder Gemeindschaften gebildet).
Die Radstrecke hat mir echt getaugt, ich hatte gute Beine, konnte für meine Verhältnisse gut Druck machen und die Splitzeiten zeigen auch, dass ich hintenraus nicht langsamer, sogar leicht schneller wurde.

Nur kein Patschen, kein Sturz, kein plötzlicher Einbruch, ich wollte diesen dritten Platz unbedingt ins Ziel retten.
Beim Rauslaufen aus der Wechselzone konnte ich dann schon Renate einbiegen sehen, sie war mir auf den Fersen und ich wusste nicht genau, wieviele Sekunden zwischen uns lagen und ob und wenn ja wieviel sie auf den abschließenden 5 Laufkilometern noch auf mich gut machen könnte. Ich versuchte, so schnell wie möglich mit hoher Frequenz und schnellen, möglichst "lockeren" Schritten "mein" Lauftempo zu finden und nochmal wirklich alles aus mir herauszuholen. Das war zu diesem Zeitpunkt schon echt schwer, obwohl die Verpflegung wie fast immer bei mir toll geklappt hat und auch die Wetterbedingungen wirklich ideal waren.
Schließlich konnte ich immerhin eine halbe Minute Vorsprung ins Ziel bringen, der dritte Platz gesamt, damit auch BRONZE in der Staatsmeisterschaftwertung und GOLD in meiner Alterklasse Elite 1.

Diesen Rennverlauf hätte ich mir wirklich nicht erwartet, das war hart erkämpft, vor allem beim Laufen, aber auch am Rad und auch taktisch habe ich alles richtig gemacht. So ein perfektes Rennen hat man eigentlich fast nie, jeder, der Wettkämpfe bestreitet, weiß das nur zu gut.
Die Siegerehrung war dann für mich fast überwältigend. Die Hymne wird für die besten 3 österreichischen Männer und Frauen gespielt und die Stimmung war einfach nur toll.
Dieser Tag wird mir wohl noch lange in Erinnerung bleiben.

Gesamtzeit: 2:11:58h

10km Laufen: 37:50min (24sec auf die Siegerin)
T1: 1:08min (13sec auf die Siegerin)
40km Rad: 1:11:17h (5:02min auf die Siegerin)
T2: 1:08min (14sec auf die Siegerin)
5km Run: 20:32min (6sec auf die Siegerin)

Platzierung gesamt: 3., gleichzeitig ÖSTM BRONZE
Platzierung Elite 1: 1. und ÖSTM Elite 1 GOLD

Alle Ergebnisse gibts auf Zeitnehmung.at.

VIDEO im Auftrag des Österrischischen Triathlonverbandes.

zurück