Berglauf ÖSTM am Schwarzgupf

Mein erster richtiger Berglauf war schon eine gewisse Challenge für mich. Die einzigen Erfahrungen in diese Richtung durfte ich beim Kahlenbergerlauf im Herbst sammeln, jedoch ist dieser Anstieg gerade einmal ein Viertel so lang, wie auf den Schwarzgupf, auf dem diesmal die ÖSTM im Berglauf veranstaltet wurden. Nur eine Bergabpassage in der Mitte gab es, ansonsten praktisch durchgängig bergauf - und das über 1100hm und 11.8km (angeschrieben waren dann 12.5km auf der Strecke, aber darauf kommt es ja auch gar nicht an ...).

Angeblich wars ja ein eher "flacher" Berglauf, bissl über tausend Höhenmeter, aber verteilt auf über 12km. Also total flach. Naja, angegangen bin ich es auch wie ein Straßenrennen, außer Acht lassend, dass der limitierende Faktor nicht der Kreislauf, sondern die Muskulatur sein würde.
Nach 2km und nur wenigen Frauen vor mir, kurz nachdem ich die Profi-Triathletin Marlies Penker überholt hatte (da hab ich mich schon ein bisserl über meine Hochform gewundert ...) kam dann der Hammer. Totale Explosion, nur mehr Laktat in den Waden und Oberschenkeln. Ja ich gebs zu, ich musste Gehen. Jeder Versuch, wieder mit dem Laufen anzufangen, scheiterte nach wenigen Schritten. Alles zog an mir vorbei, ich hatte das Gefühl, jeder dachte sich seinen Teil über mich Wiener Berglauf-Rookie :D

Bei der Häfte holte mich dann die erste Orientierungsläuferin ein, Patrizia Stögerer, und motivierte mich wieder zum Laufen. Ziemlich ohne Hoffnung, dass der neuerliche Versuch fruchten könnte, ließ ich mich mitziehen und auf einmal ging es, ich hatte mich nach der Labestation doch noch etwas erholt. Ab dem Zeitpunkt ging es trotz ziemlicher Steilheit muskulär wieder, penibel achtete ich darauf, Tempo zu machen, aber nicht zu überziehen. Und ich wurde belohnt, zuerst überholte ich noch im Steilen und ließ Patrizia schließlich hinter mir, dann wurde es flacher und ich kam so richtig ins Laufen. Die letzten vier Kilometer überholte ich einen nach dem anderen, das war natürlich für den Kopf sehr, sehr motivierend. Es war hart und anstrengend, aber ungemein beflügelnd. Wie viel dann doch auch die Einstellung ausmacht, bemerkenswert und immer wieder aufs Neue faszinierend für mich. Man darf einfach nicht aufgeben und es lohnt sich.

Am Schluss wurde es der 15. Platz in der ÖSTM-Wertung der Damen und der 2. in meiner Altersklasse. Dazu ist zu sagen, dass viele Bergläuferinnen echte Spezialistinnen sind und durchaus auch schon viele Jahre älter als ich. Beachtlich, wie man mit 50+ noch schneller auf einen Berg raufhirschen kann, als ich. Ich denke auch, dass Radfahren, Berglauf, Skitouren und Bergsteigen muskulär viel mehr gemeinsam haben, als der Straßenlauf mit all diesen Disziplinen. Ich bin mehr der Schnellkraft-Typ und mit Kraftausdauer tue ich mir trotz all des Trainings in diese Richtung viel schwerer - nur am Rad geht es inzwischen aufgrund vieler, vieler Kilometer.
Ich bin sehr zufrieden, obwohl die Taktik und damit auch meine Platzierung auf alle Fälle verbesserungswürdig sind. Ich habe allerdings auch sehr viel für meine Trainertätigkeit gelernt, was Vielseitigkeit und Spezialisierung auf eine Disziplin betrifft, die Motivation im Wettkampf trotz Tiefs und scheinbarer Chancenlosigkeit und auch viel über Freude am Sport auch ohne Stockerlplatz.
Ein bisschen stolz bin ich auch, dass ich es probiert und durchgehalten habe und dann doch am Schluss noch so viel rausholen konnte.

Jetzt gehts erstmal in eine kleine Zwischenpause, meine Wadenverhärtung ausheilen lassen, bissl Grundlagentraining und dann auch schon wieder Aufbau für die zweite Saisonhälfte. Ich freu mich schon!

Strecke: Schwarzgupf, 12,5km, 1100Hm bergauf, 1 Bergabpassage

Gesamtzeit: 1:20,15h

Platzierung gesamt: 15. Damen (auch bei der ÖSTM-Wertung)
Platzierung W20: 2.

Alle Ergebnisse gibts auf Pentek Timing.

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