Quelle Challenge Roth ... meine erste Langdistanz

... oder auch der Tag, an dem der Wettergott verschlafen hat

So, wieder daheim und des Sitzens und Schreibens als einzige Tätigkeit neben Essen und Schlafen wieder gut mächtig, ist es wohl Zeit für einen Erfahrungsbericht.

Gleich vorweg: ich musste meine angestrebte Zeit von unter 11 Stunden leider abschreiben. Ob es unter guten Bedingungen möglich gewesen wäre, kann ich nicht sagen, interessiert aber auch keinen. Es ist wie es ist, bzw. es war wie es war. Und das bedeutet kalt und nass. Vor allem RICHTIG nass!

Meine Saisonhöhepunkte waren ja bisher immer recht frisch und regnerisch. Somit also keine Überraschung für mich und schon gar nicht ungewohnt, das hat mir einen ziemlichen Vorteil verschafft. Ich wusste, dass ich in der Wechselzone lange brauchen werde, um Hose und Oberteil drüberzuziehen. Ich wusste, dass ich bei diesem Schüttregen besser keine Brille zum Radfahren aufsetzen werde, da die daran haftenden Wassertropfen mir völlig die Sicht verdecken. Und ich wusste, dass genug geflucht werden würde - vor allem auf der Radstrecke - und dass mir das Wetter mental nicht allzu viel ausmachen wird. Und eine Langdistanz macht man schließlich zu einem Großteil im Kopf!

Was ich nicht wusste, ist, dass man auf 180 Kilometern doch deutlich mehr Zeit zum Auskühlen hat, als ich es bisher gewohnt war. Zusätzlich war die Sicht teilweise so schlecht, dass man wirklich sehr aufpassen musste, auf dem teilweise winkeligen Kurs nichts zu übersehen. Und um noch eins draufzusetzen, kam noch eine Wetterbedingung hinzu, die ich als eine der ganz wenigen widrigen Umstände wirklich sehr hasse: Wind. Nord-Westwind. Für eine körperlich wie mental nicht gerade überstarke Radfahrerin wie ich es bin, schon recht hart. Zur Ablenkung wurde mir ein anderes Präsent geschickt: der Umwerfer trotzte dem Regenwetter auf der zweiten Radrunde nicht mehr, was zur Folge hatte, dass ich, um nicht absteigen zu müssen, die wellige Strecke auf dem großen Blatt bewältigte. Zu diesem Zeitpunkt signalisierten mir meine Oberschenkel alles andere, als bereit für einen Marathon, meinen ersten noch dazu, zu sein. Aber gut, es ging ja gerade nur darum, die Radstrecke zu überstehen.

Zum Laufen fing ich ich mit dem Gedanken an, ein paar Kilometer "probierst" es halt mal. Ich wollte durchLAUFEN, auf einen Wandertag wollte ich mich nicht einstellen. Also gesagt getan, aus dem Zelt auf die Strecke. Und das bis dahin Unglaubliche ist eingetreten: meine Beinchen fühlten sich an, als wäre ich gerade frisch und entspannt aus dem Bettchen gehüpft! Bis Kilometer 21 lief es PERFEKT. Selbstgestoppte knapp über 1:50h. Allerdings machte sich dann ein Umstand bemerkbar, der mein ganzes Unternehmen fast sterben hätte lassen. Da es ja bis auf etwa anderthalb Stunden meines Laufsplits ständig geregnet bis wirklich geschüttet hat, war der Schotterweg, auf dem wir gelaufen sind, am Rand sehr weich, bzw. ist überhaupt völlig unter Wasser gestanden. Da wir ja nur rechts laufen konnten, sind wir eben auf ziemlich schräger Fläche aufgetreten. Das hat zu heftigen Fußschmerzen geführt, die ich durch kurzes Andehnen immer wieder zumindest etwas lindern konnte. Zeitweise war ich mir echt nicht sicher, ob ich den Marathon überhaupt fertiggehen könne. Aber das wollte ich auch nicht. Ich wollte laufen. Und ich BIN gelaufen, mit Ausnahme von Dehn- und Klopausen. Die haben zwar dann meine Zeit etwas gedrückt, trotzdem konnte ich ohne Einbruch und Tempoverlust fertiglaufen - so ziemlich die größte Überraschung für mich an diesem Tag!

Wie ich leider nachher erfahren musste, habe ich mir einen Einriss der Peroneus Longus Sehne zugezogen, sowie Knochenmarksödeme in Talus, Calcaneus und Cubuid. Wem das nix sagt: Sehne und Knochen angeschlagen ... und damit leider eine länger Lauf(trainings)pause ...

Warum ich in meiner Erzählung nicht mit dem Schwimmen angefangen habe? Nun ja, weil ich es am liebsten gleich ganz ausblenden würde. Die Mädels sind ja an diesem Tag mit den Profis vorneweggeschwommen. In meiner Leistungsklasse habe ich keine Gruppe erwischt, somit bin ich völlig alleine im Wasser gewesen. Zumindest dachte ich das. Auf Fotos kann man recht schön erkennen, dass ich das Zugpferd einer (sehr langsamen) Gruppe war. Mein Biss war jedenfalls völlig dahin, sowas ist mir noch nie bei einem Wettkampf passiert, ich bin allerdings auch noch nie in einem so breiten Kanal eine 3800m lange Runde geschwommen. Wie auch immer, diese Zeit wird wohl recht leicht zu verbessern sein.

Was gestern absolut gepasst hat, war die Ernährung. Keine Magenprobleme, nichts. Ok, auf der Radstrecke habe ich die unzähligen Gels (es waren etwa 14 von den 70g-Tuben ...) nicht mehr wirklich genossen, aber schlecht war mir nie. Es ist absolut möglich, eine Langdistanz ausschließlich mit Gels, Iso und Wasser zu bestreiten. Gut, Cola war auch dabei. Vier Stunden lang ...

Zum Wettkampf insgesamt kann ich nur sagen: Ich kenne zwar noch nichts anderes, aber er ist absolut empfehlenswert. Schöne Strecken, tolle Helfer, viele Zuschauer trotz Sauwetter und eine sehr freundliche Athmosphäre.

Trotzdem werde ich nächstes Jahr in Kärnten starten, beim IRONMAN AUSTRIA 2009. Sofern ich heut Nacht einen Startplatz ergattere ...

Details zu meiner Quelle Challenge Roth 2009:

Gesamtzeit: 11:29:24h

3,8km Swim: 1:19:49h

T1: 04:47min

180km Bike: 5:58:26h

T2: 04:43min

42,195km Run: 4:01:41h

Platzierung gesamt: 76.

Platzierung W20: 7.

Alle Ergebnisse gibts auf Mika Timing.

 

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