Wem „gehört“ eine sportliche Leistung?

Für gewöhnlich spar ich mir Kommentare zu Spitzensportlern (anderer Sportarten), weil ich mit Halbwissen nicht um mich werfen möchte.
Nachdem ich anlässlich der Olympischen Spiele aber von vielen Verwandten / Bekannten gefragt werde, „was sagst Du zum – schlechten – Abschneiden der Österreicher“ lehne ich mich mal ein bissl aus dem Fenster und schreib was dazu.
Für mich beginnt das Thema bei der Erwartungshaltung. Warum erwartet der „gemeine Österreicher“ von den österreichischen Teilnehmern, dass diese Medaillen heimbringen? Immerhin, rein einwohnermäßig, ist die Wahrscheinlichkeit eines kleinen Landes nicht übergroß, bei einem Sportevent, das sich zumindest in manchen Sportarten auf Niveau einer Weltmeisterschaft abspielt, wirklich „was zu reißen“. Allein die Möglichkeit der Teilnahme (die ja an internationale Limits gebunden ist) ist da schon etwas, worauf der Sportler selbst, aber von mir aus auch „Österreich“ als Land stolz sein kann.
Wie stolz man als Land / als Steuerzahler (oder eher als derjenige, der über die Verwendung der Gelder verfügt?) sein kann, hängt halt in meinen Augen davon ab, wieviel Anteil man an der sportlichen Leistung des Einzelnen hat. Das wird sich von Fall zu Fall extrem unterscheiden.

Es gibt Sportarten, da braucht es einfach viel Förderung in Form von geeigneten Sportstätten, Trainingsgruppen mit qualifizierten Trainern, bzw. finanzielle Unterstützung (Gehalt, Stipendium), um genug Zeit für Training und Regeneration zu haben. Da ist die sportliche Leistung des Sportlers erst durch die fachliche Unterstützung der Trainer und der finanziellen Unterstützung im Endeffekt durch den Steuerzahler möglich geworden.
Da gibt es aber große Unterschiede hinsichtlich dieser Bedürfnisse – zwischen den Sportarten, aber auch zwischen den Sportlern.

Ich gehe davon aus, dass jeder Athlet prinzipiell und aus rein egoistischen Beweggründen sein Bestes gibt. Wenn das für weiter vorne nicht reicht, kann das viele Gründe haben.
•  Tagesverfassung, Verletzung, Verkühlung, Psyche, Aufregung
•  Potenzial reicht eben (noch) nicht für ganz vorne, das kann genetisch bedingt sein, Alter, Talent, …
•  Umfeld bietet nicht die idealen Möglichkeiten (Trainer, Trainingsgruppe, Sportstätten, finanzielle Absicherung)
Die Liste ist sicher nicht vollständig und wenn man sich das so ansieht, sieht man schön, dass neben den politischen Entscheidungen zum Thema Förderung halt auch ganz viele Unsicherheitsfaktoren beim einzelnen Sportler dazukommen. Von nicht-so-guten Leistungen (bewusst schreibe ich nicht „schlechten“) kann man genauso wenig zwingende Rückschlüsse ziehen, wie von guten Ergebnissen, denn besonders talentierte Sportler, die vielleicht auch noch bissl Glück haben, können in manchen Sportarten schlechte Umfeldbedingungen gut kompensieren.
Da ist es dann einfach wichtig, dem Sportler „nicht im Weg zu stehen“, also etwa was die Teilnahme an (Groß-)Wettkämpfen betrifft.

Ich denke, der Sinn der Leistungssportförderung ist vor allem, viele Menschen auch für den Breitensport zu begeistern. Ich habe die Erfahrung gemacht, dass es den Hobbysportlern eigentlich völlig egal ist, welche Zeit man genau auf welche Distanz schafft, es begeistert einfach, wenn man von Weltmeisterschaften erzählen kann, wo man „für Österreich“ teilgenommen hat. Das ist was Besonderes, etwas hart Erarbeitetes und motiviert Menschen, sich selbst eigene Ziele zu setzen und diese in Angriff zu nehmen.
Platzierung oder auch die Schwierigkeit / Dichte in der jeweiligen Sportart ist den Meisten schon gar nicht mehr so wichtig.
Das ist die positive Seite, es gibt auch jene, dass man sich auch am Misserfolg anderer erfreut, um sich selbst besser zu fühlen. So schafft es sogar das Wort „Olympiatourist“, die Leistung, sich immerhin qualifiziert zu haben, kleinzureden.

Im Übrigen find ich es auch etwas „seltsam“, wenn Medien jahrelang Sportarten überhaupt nicht erwähnen, um dann bei Großevents darauf hinzuweisen, „dass wir ja schon wieder keine Medaillen machen“. Passt nicht zusammen. Entweder, die Sportart ist „eh wurscht“, oder man bietet ihr eine Plattform – durchgehend. Da geht es nicht nur um Sponsorengelder, sondern vor allem um Motivation für Sportler, dass ihr Bemühen und die Erfolge überhaupt gesehen und anerkannt werden.
Doch es sind nicht nur die Medien, dieselben Menschen, welche die Leichtathletikanlage zum Zuschauen beim Fußballspielen blockieren und keinerlei Verständnis für irgendein leistungssportliches Training haben, mokieren sich über ausbleibende Medaillen. Das ist nur eine Anekdote, ich würde aber schon unterschreiben, dass die Akzeptanz im eigenen Land fehlt.

Ich für meinen Teil bin sehr glücklich, meinen beruflich-sportlich-kompatiblen Weg gefunden zu haben, die Unterstützung der Sportverbände bei den Nominierungen zu haben und auch einige gute Trainingskollegen. Auf der Suche nach diesem Umfeld hab ich viel gelernt, auch fürs sportliche Weiterkommen, aber halt auch viel Zeit verloren (verdammt, bald bin ich 30 :) ).
Allerdings ist es in meiner Sportart (Laufen + Radfahren) auch nicht so schwer, geeignete Trainingsstätten zu finden – und die Medien lassen einen auch mit Erwartungen in Ruhe :D

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